Das erste Lebensjahr

Es ist sicher mit die aufregendste Zeit im Leben mit einem Kind! Hier sind Antworten auf die häufigsten Fragen, die in diesem Zusammenhang auftauchen.

Vitamin K
Heute erhält jedes Baby nach der Geburt im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen U 1, U 2 und U 3 jeweils 2 Milligramm Vitamin K, um Blutungen vorzubeugen. Die Frage ist: Welche Auswirkungen hat diese hohe Menge an Vitamin K in dem noch sehr jungen Organismus? Wir anthroposophischen Kinderärzte empfehlen deshalb eine etwas andere Praxis, die in einem Merkblatt der Gesellschaft Anthroposophischer Ärzte in Deutschland (GAÄD) ausführlich beschrieben ist. 

Vitamin D
In Deutschland erhalten alle Säuglinge täglich eine Tablette Vitamin D. Die Dosis liegt bei 500 I.E. pro Tag. Vitamin D produziert der Organismus normalerweise selbst unter der Einwirkung von Sonnenlicht über die Haut. Im Winter geschieht das auf der Nordhalbkugel nur in unzureichendem Ausmaß. Ein Mangel an Vitamin D hat ungünstige Auswirkungen auf den Knochenstoffwechsel, auf die Infektionsneigung und wahrscheinlich auch auf chronsiche Erkrankungen. In den Wintermonaten halten wir deshalb eine Gabe von Vitamin D für sinnvoll, während in den Sommermonaten über die Haut mehr als genügend Vitamin D gebildet wird.

Kariesprophylaxe
Vielen Säuglingen wird schon mit Vitamin D auch Fluor gegen Karies gegeben - in einer Tablette. Diese Praxis sehen wir - wie auch viele Zahnärzte - kritisch. Denn Karies ist keine Fluorid-Mangelkrankheit, sondern eine Folge von zu viel Süßigkeiten und zu schlechter Zahnhygiene. Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie in einem Merkblatt der Gesellschaft Anthroposophischer Ärzte in Deutschland (GAÄD).

Stillen
Muttermilch ist grundsätzlich die beste Nahrung für ein Neugeborenes: der kindliche Darm kann sie am besten verarbeiten, sie enthält alle Nährstoffe, die das Kind braucht, und sie ist jederzeit in der richtigen Temperatur verfügbar. Beim Stillen erfährt das Baby zudem Ihre Nähe, Ruhe, Geborgenheit und Wärme. Stillen schützt zudem vor Infektionskrankheiten und Allergien, vor Diabetes und Zöliakie (Gluten-Unverträglichkeit). Dass eine Frau nicht stillen kann, ist extrem selten – meistens liegt es eher daran, dass die Mutter zu erschöpft ist oder seelisch zu stark belastet ist, so dass die Milch versiegt. Eine gute Stillberatung ist deshalb gerade in den ersten Lebensmonaten Ihres Babys wichtig. Die Hebammen kommen dafür gerne zu Ihnen nach Hause - und die Krankenkassen tragen dafür auch die Kosten. Nutzen Sie dieses Angebot!

Wie lange Sie Ihr Kind stillen, können Sie selbst entscheiden - und auch das Kind wird dabei ein Wörtchen mitreden! Normalerweise fangen Sie mit der Beikost frühestens nach fünf und spätestens nach sechs Monaten an - sinnvollerweise ersetzen Sie damit das Stillen in der Mittagszeit, zum Beispiel mit einem Brei aus Möhren, Pastinaken oder Kürbis. Ausführliche Informationen zur ersten Beikost haben wir Ihnen in einem Merkblatt zusammengestellt.

Dreimonatskoliken
Die typischen Schreiattacken in den ersten drei Lebensmonaten, auch "Dreimonatskoliken" genannt, haben meist nichts mit der Ernährung zu tun, sondern sind vielmehr Ausdruck davon, dass das Kind so einiges verdauen muss – vor allem seelisch und sinnlich. Und das tut es lauthals! Denn häufig treten die Schreianfälle in den Nachmittags- und Abendstunden auf, was mit darauf hindeuten kann, dass es sich mit den Eindrücken in den davor liegenden Stunden intensiv beschäftigt. Ein Säugling kann das nicht mit Worten tun, sondern nur mit seiner Stimme!

Das Schreien ist deshalb nicht unbedingt ein Zeichen dafür, dass das Kind hungrig oder durstig ist und gestillt werden muss. Noch weniger sinnvoll ist es, das Kind auf dem Arm zu schaukeln und es damit noch stärker zu stimulieren. Wichtiger ist es, Ruhe und Sicherheit zu vermitteln und äußere Reize wie Radio, Fernsehen oder Autofahren abzuschirmen.

Bedenken Sie auch, dass es eine Zeit dauert, bis Sie und das Kind sich aneinander gewöhnt haben. Bis Sie herausgefunden haben, ob es Hunger hat, Ihre Nähe sucht, Ihre Stimme hören oder schlafen möchte. Es einfach schreien zu lassen, ist allerdings auch nicht richtig – denn in den ersten drei Lebensmonaten können Sie ein Kind nicht verwöhnen. Es lebt noch völlig absichtslos und verbindet mit dem Schreien keinen Zweck. Es reicht, wenn Sie ihm das Gefühl geben, dass es nicht alleine ist.

Rhythmus
Es gibt im ersten Lebensjahr nur wenig, was so wichtig ist wie ein guter Rhythmus: geregelte Schlafens- und Wach- sowie Mahlzeiten. Rhythmus gibt dem Leben Struktur und dem Kind eine wichtige Orientierung im Tagesverlauf. Je rhythmischer Sie den Tag gliedern, desto weniger Stress werden Sie haben, desto mehr Ruhe vermitteln Sie dem Kind. Alles, was regelmäßig getan wird, fällt leichter und stärkt - auch das Kind. Die Rhythmen unserer Umwelt entsprechen allerdings nicht denen des Kindes. Deshalb ist es für viele Eltern nicht einfach, sich auf diese sehr viel langsamer verlaufenden Tagesrhythmen einzustellen und das eigene Leben danach auszurichten. Für das Kind ist es aber sehr viel gesünder, wenn es sich nicht Ihrem oft hektischen Alltagsgeschehen anpassen muss, sondern wenn Sie umgekehrt sich im ersten Lebensjahr auf die Rhythmen des Kindes einstellen. Der Lohn ist ein zufriedenes Kind, das ausreichend schläft und sich gut entwickelt.

Wie eine gute Alltagsrhythmik in Ihrem speziellen Fall aussehen könnte, können wir gerne besprechen.